Musicals im Trend - auch auf einer schwankenden Flussbühne

10.07.2010 Ruth Weitz

Muscial Non(n)sens - Ruth Weitz
Muscial Non(n)sens - Ruth Weitz
"Non(n)sens", eine himmlische Musicalkomöde stand im Mittelpunkt des Theaters im Main 2010 - Ein Interview mit Irene Budischowsky.

Auf den großen Bühnen locken sie Jahr für Jahr tausende Theaterfans an: Musicals von My fair Lady bis Fame. Aber auch in der so genannten Provinz liegen sie im Trend. Eine himmlische Musicalkomödie stand 2010 im Mittelpunkt des Theaters im Main. Vom 15. Juli an wurde sie vier Wochen lang vom Maintal-Theater auf der Flussbühne am Festplatz im malerischen Laudenbach, gut 50 Kilometer von der Main-Metropole Frankfurt entfernt, gezeigt. „Non(n)sens“ heißt das Stück von Dan Goggin, dessen Inhalt dem Titel in jeder Weise gerecht wird. Hauptdarstellerinnen sind fünf Nonnen, die nach dem Genuss einer verhängnisvollen Fischsuppe insgesamt 52 Mitschwestern zu Grabe tragen müssen, ihnen aber das nötige Kleingeld fehlt, um eine würdevolle Bestattung zu finanzieren. Die kecken Nonnen organisieren einen bunten Abend, um die leeren Kassen zu füllen. Die Handlung ist ebenso turbulent wie amüsant, die Musik fetzig und in die Glieder gehend. Bei der Premiere am 12. Mai im Theater „Brennnessel“ in Wien hatte „Non(n)sens“ unter der Regie von Georg Mittendrein die Feuerprobe bereits bestanden und erntete Lobeshymen von Publikum und Kritik. Irene Budischowsky, gleichzeitig auch Ehefrau des Regisseurs und Intendanten des Maintal-Theaters, schlüpfte auf der Bühne in die Rolle der Schwester Maria Hubert und ließ unter strenger Brille Enthemmtes zu Tage treten, wobei eine rote Federboa ein wichtiges Requisit ist. Zu Beginn der Proben in Laudenbach gab sie ein Interview.

suite101.de: Wurden Sie von Ihrem Ehemann Georg Mittendrein dazu gedrängt, die Rolle der Schwester Maria Hubert in Non(n)sens zu übernehmen?

Irene Budischowsky: Nein, ganz im Gegenteil! Mein Mann hat vor ca. 10 Jahren, als er Intendant der Vereinigten Bühnen Bozen war, Non(n)sens inszeniert. Es war ein überwältigender Erfolg, und seit damals habe ich mir gewünscht auch einmal dieses Musical spielen zu können.

suite101.de: Genießen Sie gegenüber Ihren Kolleginnen Vorteile, weil Sie die Gattin des Intendanten sind?

Irene Budischowsky: Tja, wenn Sie es als Vorteil ansehen, dass ich auch noch für alles verantwortlich bin, was er zum Beispiel zu Hause vergessen hat, dann auch noch Chauffeuse, Sekretärin, Assistentin, und Requisiteurin bin……Und natürlich muss ich freundlicher, pünktlicher, und selbstverständlich besser vorbereitet sein als die Kolleginnen, ich muss ihm einfach den Rücken stärken für seine Arbeit.

Nein, Spaß beiseite, es gibt natürlich ganz viele Vorteile - ich habe einen großartigen Regisseur an der Han und darf immer wieder mit ihm arbeiten! Ich kann Stückvorschläge machen und mich in vielerlei Hinsicht einbringen.

Wir arbeiten nun schon seit 25 Jahren zusammen, und es funktioniert wunderbar. Ich habe zum Beispiel die Besetzung für Non(n)sens gemacht. Natürlich habe ich meine Vorschläge mit ihm besprochen, aber zwei Kolleginnen kannte er gar nicht, er sagte: „Wenn du sagst, dass sie das können, dann wird das so sein“. - Das ist ein großes Kompliment für mich. Und übrigens: ich habe Recht behalten, die Kolleginnen sind toll! Man muss ja nicht nur vier gute Schauspielerinnen, Tänzerinnen. Beziehungsweise Sängerinnen finden, die dem gesuchten Typ entsprechen, man muss auch ein gutes G´spür haben, wie wir Wiener sagen, ob die Chemie zwischen den Darstellerinnen stimmt. Denn das kann fatale Folgen haben, wenn eine Kollegin nicht in die Gruppe passt.

suite101.de: Wie gehen Sie vor, wenn Sie bei der Art der Inszenierung eine andere Meinung als ihr Mann haben?

Irene Budischowsky: Mittlerweile ganz ungezwungen, aber mit sehr viel Respekt. In den ersten Jahren habe ich mich kaum getraut eine andere Meinung als er zu haben. Nun sind wir aber längst schon ein erprobtes Team. Aber - ich habe ganz selten eine andere Meinung - man entwickelt ja eine Figur miteinander, und er macht das mit sehr viel Fingerspitzengefühl.

Und er sagt immer lachend, dass er gerne mit mir arbeitet, im Theater er der Chef ist, zu Hause hat er nix zu reden.

suite101.de: Was begeistert Sie an Ihrer Rolle am meisten?

Irene Budischowsky: Rollen begeistern mich dann, wenn sie Herausforderungen sind. Wenn man schon so lange Theater spielt, hat man sich schon einiges erarbeitet, auf das man zurückgreifen kann.

Aber zu tanzen und zu singen - teilweise schwere mehrstimmige Songs, das war nicht so alltäglich. Und der Erfolg in Wien war eine wunderschöne Belohnung für die Mühe.

suite101.de: Die Aufführungen von Non(n)sens in Wien auf fester Bühne waren ja sehr erfolgreich. In Laudenbach werden Sie auf einem schwankenden Floß spielen. Ist das wegen unvorhersehbarer Ereignisse ein schwebendes Damoklesschwert oder eher eine spannende Herausforderung?

Irene Budischowsky: Das wird eine große Herausforderung. Ich kann mich erinnern, wie schwer sich letztes Jahr die Kollegen an das Schwanken gewöhnt haben. Und wir tanzen ja, dass die Fetzen fliegen… Aber das werden wir auch noch schaffen!

suite101.de: Was wünschen Sie sich fürs diesjährige Theater im Main?

Irene Budischowsky: Wunderschönes Wetter, und dass viele Leute die Chance nützen, dieses so lustige Musical zu sehen, dann wird jede Vorstellung ein Fest! Das verspreche ich.

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