Musical Non(n)sens beim Theater im Main12.07.2010 Ruth Weitz
Musical Non(n)sens - Ruth Weitz
Es ist brütend heiß am Donnerstagabend am Mainufer in Laudenbach. Die Außentemperatur beträgt 33 Grad Cecius, gefühlte 40 Grad. Fünf Damen im Nonnengewand eilen leichtfüßig über den mobilen Steg auf die schwimmende Flussbühne des Maintal-Theaters, wo ab 15. Juli bis 14. August 2010 die himmlische Musicalkomödie „Non(n)sens“ aufgeführt wurde. Erste Theaterprobe„Oh, ist das heiß!“ stöhnt Irene Budischowsky, eine der fünf (vermeintlichen) Nonnen. Sie ist wie ihrer Schauspieler-Kolleginnen in das dunkle Tuch geschlüpft und von Regisseur Georg Mittendrein – im echten Leben ihr Ehemann – zur ersten Probe vergattert worden. Irene Budischowsky verkörpert in „Non(n)sens“ die Schwester Maria Hubert. Aus Richtung Klingenberg kommt ein knallrotes Motorboot. Zwei Feuerwehrmänner sitzen darin. Sie legen am Ponton an, um den Schauspielerinnen ins Boot zu helfen. Eigentlich sollte die Trennfurter Wehr das Wasserfahrzeug zur ersten Probe stellen, doch das war defekt und konnte erst am Wochenende repariert werden. Auf dem kurzen Dienstweg haben die Trennfurter Floriansjünger die Kollegen vom anderen Mainufer um Hilfe gebeten, die ihren knallroten Feuerwehrkahn mit Außenbordmotor ohne viel Federlesens zur Verfügung stellten. Regisseur ohne GnadeAls die Damen nach dem Absondern einiger spitzer Schreie sicher sitzen, tuckert das Boot los und gewinnt allmählich an Fahrt. Wieder spitze Schreie, aber diesmal vor Vergnügen. Der Kahn mit himmlischer Ladung düst in Richtung Miltenberg und ist schnell außer Sichtweite. Auf dem anderen Mainufer haben Badegäste das Planschen eingestellt und blicken gebannt den Nonnen nach. Es dauert fast eine Viertelstunde, bis das Boot wieder zurück ist. Anne Sophie Krenn (Schwester Maria Leo), Sandra Högl (Schwester Robert Anna) und Irene Budischowsky lassen die Beine über die Reeling baumeln, während Michaela Mock (Mutter Oberin) und Eva Reinold (Schwester Maria Amnesia) sich mit einer Hand am Bootsrand festhalten und mit der anderen Hand winken. Von den Wehrmännern werden sie sicher zum Ufer gelenkt, und die erste Probe ist beendet. „Die Madeln müssen’s furchtbar schwitzen“, erklärt Georg Mittendrein. Deshalb ist die nächste Probe im Nonnengewand erst am späten Sonntagabend angesetzt. Gegen 21 Uhr zeigt das Thermometer immer noch 29 Grad Celcius, und die Bereitschaft der Schauspielerinnen sich in den schweren, schwarzen Stoff zu hüllen, ist am Nullpunkt angesiedelt. Aber der Regisseur kennt keine Gnade. Michael Fernbach am E-Piano und Andreas Seizer am Schlagzeug spielen sich ein. „Die Viehcher machen’s mich verrückt“, beklagt Fernbach, der von Insekten umschwärmt wird. Da hat Andreas Seizer die deutlich bessere Ausgangslage, denn er kann mit seinen Trommelstöcken um sich schlagen und die flirrenden Mücken vertreiben. Im Rampenlicht„Auf geht’s, damit wir weiter kommen“! ruft Georg Mittendrein, und die Nonnen erscheinen im Scheinwerferlicht. Es wird die Schlussszene geprobt. „Ein Eis wäre jetzt schön“, sagt Anne Sophie Krenn und erhält Unterstützung von Irene Budischowsky. „ Ich habe von Anfang an eine Gefriertruhe gefordert, aber man hört ja nicht auf mich“, sagt sie. „…und wird es auch nie!“, antworten ihre Kolleginnen im Chor und kichern. „Schluss jetzt – Saallicht an, Saallicht wieder aus“! weist Georg Mittendrein die Technik an und blickt bewusst grimmig in die Richtung von Irene Budischowsky. „Hier habe ich sie fest im Griff, aber zu Hause habe ich nichts zu sagen“, brummelt er vor sich hin. SchlusszeneMichael Fernbach spielt die Einleitung, die Nonnen betreten die Bühne. Sandra Högl, Anne Sophie Krenn und Eva Reinold nesteln an ihrer Nonnentracht. Die Hüllen fallen, wie bestellt fährt ein Frachtschiff mit dem verheißungsvollen Namen „Revolution“ vorbei. Mittlerweile stehen die drei Schauspielerinnen bauch- und beinfrei auf den Brettern, singen, tanzen und steppen, dass das Ponton auch ohne Wellengang ins Schwanken gerät. „Jubel, jubel, jubel!“, ruft Georg Mittendrein. Die Szene ist beendet. Mittlerweile ist es dunkel geworden, Millionen von Insekten tummeln sich im Scheinwerferlicht. „Im letzten Jahr waren die größer und disziplinierter, denn sie haben sich nur auf die Scheinwerfer konzentriert“, sagt Mittendrein. Diesmal attackieren die Mücken auch Musiker und Schauspielerinnen. „Ich möcht‘ nur wissen, wer mir die geschickt hat“, grantelt der Regisseur. Urheberrecht: Ruth Weitz. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.
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