Festspiele: Ein beliebtes Sommerereignis für Jedermann20.07.2010 Angela Fehr
Salzburger Tradition: Jedermann auf dem Domplatz - Hermann und Clärchen Baus/Salzburger Festspiele
Am 25. Juli beginnen die Festspiele in Bayreuth und Salzburg und damit die beiden wohl bekanntesten Festspielereignisse im deutschsprachigen Raum. Prominente werden wieder zur Eröffnung nach Bayreuth oder Salzburg pilgern und auch der ein oder andere Normalbürger wird das Glück haben, einer der Darbietungen beiwohnen zu können. Die Karten sind teuer und vor allem rar, an eine solche zu kommen ist nicht einfach. Allerdings ist auch nicht jeder an einem Besuch der Bayreuther oder Salzburger Veranstaltungen interessiert, sei es weil er es lieber unterhaltsamer mag, weil er Festspiele unter freiem Himmel bevorzugt oder weil er den Event- und Promirummel, der Bayreuth und Salzburg umgibt, zu wenig vornehm findet. Für die Salzburg- und Bayreuthmuffel gibt es aber auch Festspiele, denn landauf landab in Stadt und Dorf wurden mittlerweile solche Ereignisse ins Leben gerufen, meist finden sie im Sommer statt und für jeden Geschmack dürfte etwas dabei sein. Festspiele und ihre VorläuferDer Begriff Festspiel hat eigentlich zwei Bedeutungen. Er bezeichnet sowohl ein Bühnenwerk, das eigens für einen besonderen Anlass verfasst wurde, als auch eine regelmäßig wiederkehrende, ein paar Tage oder Wochen dauernde Veranstaltung, auf der meist Opern- oder Theaterinszenierungen gezeigt werden, aber auch Ballettaufführungen oder musikalischen Konzerte, mittlerweile tragen häufig auch Veranstaltungen die sich dem Film widmen den Namen Festspiele, so etwa die Filmfestspiele von Cannes, Venedig oder Berlin. Als Vorläufer heutiger Festspiele gelten die Dramenaufführungen während der Dionysien − der Feste zu Ehren des Wein- und Fruchtbarkeitsgottes Dionysos − im antiken Athen, mittelalterliche Passions-, Oster- und Weihnachtsspiele und die Festspiele an den Höfen in der Renaissance- und Barockzeit. In England wurden die ersten Festspiele heutigen Stils bereits im 18. Jahrhundert zelebriert und die Bayreuther Veranstalter können auf eine Geschichte von 134 Jahren zurückblicken: Vom 13. bis zum 30. August 1876 fanden dort erstmals Festspiele statt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich in vielen europäischen Städten eine Festspieltradition entwickelt, so etwa in Avignon, Edinburgh und Salzburg, aber auch in Recklinghausen, Bad Hersfeld oder Schwetzingen. Im Lauf der Zeit kamen zudem viele kleinere Festspiele dazu, so wurde das Angebot immer vielfältiger. Festspiele: Theater, Oper und MehrWährend es in Bayreuth nur ein Festspielhaus gibt, in dem nur Wagneropern gegeben werden, wird in Salzburg an mehreren Orten gespielt: Der Jedermann ist unter freiem Himmel auf dem Domplatz zu sehen, andere Werke etwa im Großen Festspielhaus oder in weiteren Spielstätten. Theater und Oper unter freiem Himmel ist ohnehin seit einiger Zeit beliebt und besonders gut haben es hier die Bregenzer Festspiele: Sie können den Bodensee als eine ihrer Spielstätten nutzen. Man legt viel Wert auf eine opulente Kulisse und zur Darbietung kommt auf der Seebühne neben Opern auch mal Leichteres wie die Westside-Story. Auch andere Festspiele gönnen dem Publikum zwischendurch etwas leichtere Kost, die Bad Hersfelder Festspiele haben 2010 auch ein Carmen-Musical im Programm und die Nibelungenfestspiele in Worms brachten vergangenes Jahr mit Das Leben des Siegfried erstmals eine komödiantische Bearbeitung des Nibelungenstoffs auf die Bühne vor dem Wormser Dom. Insgesamt aber geht es in Bayreuth, Salzburg, Worms oder etwa auch bei den hauptsächlich der Klassischen Musik gewidmeten Ludwigsburger Schlossfestspielen relativ hochkulturell zu. Dank Winnetou und Störtebeker: Festspiele für JedermannEine weniger exklusive Atmosphäre herrscht bei den Luisenfestspielen in Wunsiedel. Intendant Michael Lerchenberg, als Prälat-Hinter-Darsteller im Bullen von Tölz der Unterhaltung nicht abgeneigt, lässt 2010 etwa die Rocky Horror Picture Show spielen. Außerdem auf dem Spielplan stehen unter anderem Tannöd, Der Brandner Kaspar und für Kinder Die kleine Hexe sowie musikalische Veranstaltungen von Haindling bis zur Operettengala. Andernorts stehen lokale Helden Pate für Festspiele, etwa in dem Hunsrück-Städtchen Simmern, mit seinen knapp 8000 Einwohnern, wo jedes Jahr die Schinderhannes-Festspiele stattfinden. 2010 stand in der von der Stadt getragenen Veranstaltung– die Festspiele gingen Anfang Juli bereits zu Ende – das Musical Julchen auf dem Spielplan, das sich der Frau an der Seite des Räuberhauptmanns widmet. Besonders viel wird für die Fans des Apachenhäuptlings Winnetou getan. Am berühmtesten sind jene Spiele in Bad Segeberg, die sich zwar nur Karl-May-Spiele nennen, aber nichtsdestotrotz meist als Karl-May-Festspiele bezeichnet werden. Daneben finden aber noch Süddeutsche Karl-May-Festspiele, die Karl-May-Festspiele Elspe und einige weitere statt. Dem legendären Seeräuber Klaus Störtebeker widmet man sich dagegen nur in Ralswiek auf Rügen. Schon 1959 wurden die Rügenfestspiele ins Leben gerufen, nach dem Mauerfall fanden dann 1993 erstmals die Störtebeker Festspiele statt. Ralswiek hat weniger als 300 Einwohner, die Festspiele werden allerdings auch nicht von der Gemeinde, sondern von einem privaten Unternehmen veranstaltet, das ein riesiges Spektakel für Jedermann geschaffen hat. Smoking und Abendkleid sind für Störtebeker, Winnetou und Co. nicht nötig. Urheberrecht: Angela Fehr. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.
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